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Angesichts der Endlichkeit fossiler Ressourcen und des bereits erkennbaren Klimawandels steigt die Notwendigkeit, auf regenerative Energiequellen umzusteigen. Hierbei gewinnt Biomasse zunehmend an Bedeutung. Sie ist gegenwärtig der wichtigste erneuerbare Energieträger und sichert ca. 6,5 Prozent des deutschen Endenergieverbrauchs und über 70 Prozent des Energiebeitrags aller erneuerbaren Energien. Biotechnologische Innovationen können zu einer nachhaltigen und effizienten Nutzung der Bioenergie verhelfen. Dies ist aktiver Klimaschutz und reduziert die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen.
Für die nahe Zukunft haben sich sowohl Bundes- als auch Landesregierung zu einem weiteren deutlichen Ausbau der Bioenergie verpflichtet, der jedoch nicht zulasten der Nahrungsmittelerzeugung oder des ökologischen Gleichgewichts gehen soll. Dies macht die Entwicklung neuer Technologien und Verfahren notwendig, die vor allem durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Physikingenieuren, Verfahrenstechnikern und Biotechnologen gelingen kann.
Prinzipiell werden unter dem Begriff Biomasse sämtliche Stoffe organischer Herkunft zusammengefasst – von Energiepflanzen über Reststoffe aus Land- und Forstwirtschaft bis hin zu tierischen Exkrementen und Schlachthofabfällen. Mit mehr oder weniger aufwendigen Verfahren lassen sich hieraus feste, flüssige oder gasförmige Energieträger herstellen, die dann wiederum in Wärme, Strom oder Kraftstoffe umgewandelt werden können. In der nachhaltigen Produktion und der effizienten Konversion von Biomasse liegt ein großes Potenzial für biotechnologische Innovationen, wie folgende Beispiele zeigen.
Bisher werden Biokraftstoffe vorwiegend aus potenziellen Nahrungsmitteln wie Mais oder Zuckerrohr hergestellt. Die Zukunft liegt jedoch in Biokraftstoffen, die aus nicht essbaren Pflanzenteilen gewonnen werden. Diese Biokraftstoffe der zweiten Generation basieren nicht auf Stärke, sondern auf Zellulose und lassen sich aus Ernteabfällen, Holz oder Gräsern erzeugen. Mithilfe moderner Methoden der Biokatalyse und der Biotransformation kann es gelingen, die Zellulose großtechnisch zu knacken und in Biosprit umzuwandeln.
Algen sind Photosynthese betreibende Organismen, die wie Pflanzen Kohlendioxid binden und in Biomasse umwandeln. Sie benötigen jedoch kein Ackerland, so dass ihre Kultivierung nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelerzeugung steht. Da sie darüber hinaus eine außerordentlich hohe Biomasseproduktivität aufweisen, könnten Algen in Zukunft einen wichtigen Beitrag zur Energieversorgung leisten. Hierbei lassen sich Algen je nach genetischer Ausstattung und Wachstumsbedingung zur Produktion von Biosprit oder Biowasserstoff einsetzen. Des Weiteren lässt sich nicht genutzte Algenbiomasse in einer Biogasanlage vergären.
Bis zur großtechnischen Anwendung müssen noch einige Hürden überwunden werden. Viel versprechende Lösungsansätze liegen vor allem in den Bereichen der biotechnischen Stammoptimierung sowie in bioverfahrenstechnischen Aspekten der Kultivierung.
Unter synthetischer Biologie versteht man die Erschaffung biologischer Systeme, die in der Natur so nicht vorkommen. Ein aktuelles Arbeitsgebiet dieser Disziplin ist die Erzeugung gentechnisch veränderter Bakterien, die Abfallstoffe in Wertstoffe umwandeln. Beispielsweise sind bestimmte Vertreter der Gattung Clostridium in der Lage, unter anaeroben Bedingungen aus Kohlendioxid und Wasserstoff energiereiche Verbindungen zu synthetisieren. Wissenschaftler aus Baden-Württemberg optimieren diese Organismen nun – unter anderem durch das Einbringen neuer Stoffwechselwege zur intrazellulären Biospritsynthese – und bauen so an einer mikrobiellen Produktionsplattform, die langfristig der Atmosphäre Kohlendioxid entziehen und in Biosprit und Feinchemikalien umwandeln soll.
Weitere zukunftsweisende Themen betreffen etwa die mikrobielle Brennstoffzelle, komplette Metagenomanalysen von Biogas produzierenden Mikroben-Gemeinschaften oder die mikrobiologische Synthesegas-Fermentation zur Kraftstoffgewinnung.
Baden-Württemberg mit seinem großen land- und forstwirtschaftlichen Potenzial nimmt bei der energetischen Nutzung von Biomasse traditionell eine Spitzenstellung ein. Das Land bietet sehr gute Voraussetzungen für Neuentwicklungen im Bioenergie-Sektor. Hier trifft eine im Bereich der Bioenergie ausgesprochen gut aufgestellte Forschungslandschaft auf zahlreiche innovationsstarke Biotech-Unternehmen. Hinzu kommen der starke politische Wille zur Technologieführerschaft und zahlreiche Fördermaßnahmen zur Umsetzung neuer Konzepte.
Dies sind ideale Bedingungen, um neue Entwicklungen hervorzubringen und anzuwenden und so vom weltweit wachsenden Gesamtmarkt der Bioenergie besonders zu profitieren.
mf - 08.04.10
© BIOPRO Baden-Württemberg GmbH
Weitere Informationen:
Christoph Bächtle
BIOPRO Baden-Württemberg GmbH
Breitscheidstr. 10
70174 Stuttgart
Tel.: +49 (0)711 - 218 185 07
Fax: + 49 (0)711 - 218 185 02
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